Drei HPE-Rackserver ergeben noch keinen belastbaren Proxmox-Cluster. Erst wenn nach Ausfall eines Knotens genug Rechenleistung, Arbeitsspeicher, erreichbare VM-Daten, Netzwerk und Strompfade übrig bleiben, ist das Ziel überprüfbar. Dieses Planungsbeispiel zeigt die nötigen Entscheidungen für einen Proxmox-VE-Verbund mit drei HPE ProLiant DL360 Gen11.
Der Beitrag beschreibt ein hypothetisches Auslegungsprofil, keine fertige HPE-Bestellnummer. Pro Knoten werden eine 24-Kern-CPU, 256 GiB ECC-RAM, gespiegelte Bootmedien, vier Enterprise-SAS-SSDs zu je 3,84 TB für VM-Daten, zwei redundante Netzteile und passende 25-Gbit-Netzanschlüsse angenommen. HPE führt den DL360 Gen11 als Rackserver mit CPU-, DIMM-, Laufwerks-, Netz- und Netzteiloptionen. Ob CPU, Backplane, HBA/JBOD-Betrieb, SSD-Typ, Lüfter, NIC, Kabel und Firmware in genau dieser Kombination freigegeben sind, gehört in einen vom HPE-Partner bestätigten Stücklisten- und Kompatibilitätscheck. Für Ceph dürfen die OSD-Datenträger nicht durch einen unpassenden Hardware-RAID-Verbund verborgen werden.
Reicht die Reserve nach einem Hostausfall?
Drei Knoten bieten 72 physische CPU-Kerne und 768 GiB RAM brutto. Fällt einer aus, bleiben 48 Kerne und 512 GiB. Für das Beispiel reservieren wir je verbleibendem Host vier Kerne und 32 GiB für Proxmox, Ceph und Betriebsspitzen. Für VMs bleiben damit rechnerisch 40 Kernäquivalente und 448 GiB RAM. Eine gemessene Lastspitze von 28 Kernäquivalenten und 300 GiB VM-RAM hätte in diesem Modell 12 Kernäquivalente und 148 GiB Puffer. vCPU-Zahlen allein sind dafür kein Messwert: CPU-Steal, NUMA, I/O, RAM-Belegung und die Verteilung einzelner großer VMs müssen im Pilot erfasst werden. Auch die für den Wiederanlauf benötigte Zeit und die Priorität der Anwendungen gehören in die Abnahme.
Proxmox benötigt für zuverlässiges Quorum im HA-Betrieb mindestens drei Stimmen. Bei drei gleichberechtigten Knoten bleiben nach dem Ausfall eines Knotens zwei Stimmen und damit eine Mehrheit. Das garantiert noch keinen VM-Neustart: Die Daten müssen erreichbar sein, ein Zielhost muss Ressourcen haben und die HA-Regeln müssen passen. Das Corosync-Netz braucht stabile geringe Latenz und einen unabhängigen zweiten Pfad. Ein gemeinsamer defekter Switch oder eine gemeinsame PDU hebt die gedachte Host-Redundanz wieder auf.
Lokale SSDs: Welche Daten sind nach einem Ausfall verfügbar?
In diesem Beispiel bilden die zwölf lokalen Daten-SSDs einen Ceph-Pool mit drei Kopien und Host als Fehlerdomäne. Roh stehen 3 × 4 × 3,84 = 46,08 TB bereit. Drei Kopien reduzieren die theoretische Nutzkapazität vor Metadaten und Reserven auf 15,36 TB. Mit einer nur für die Planung gesetzten Obergrenze von 70 % ergibt sich ein Arbeitswert von rund 10,75 TB. Dieser Wert ist keine zugesicherte Ceph-Kapazität: OSD-Füllstand, Verteilung, Recovery, Snapshots und tatsächliche Datenmuster sind zu messen.
Bei Ausfall eines der drei Hosts können die zwei verbleibenden Kopien unter einer passend konfigurierten min_size-Regel weiter I/O bedienen; der Pool ist dann degradiert. Eine dritte Kopie auf einer dritten Host-Fehlerdomäne lässt sich erst nach Rückkehr beziehungsweise Ersatz des Knotens wiederherstellen. Das ist eine Grenze eines genau dreiknotigen Designs. Ceph-Replikation ersetzt außerdem kein getrenntes Backup. Ein Proxmox Backup Server gehört außerhalb dieser drei Hosts in eine eigene Ausfalldomäne, mit geprüftem Restore und einer zusätzlichen externen Kopie. Der DAXS-Beitrag Proxmox Backup Server: Verify, Aufbewahrung und Restore vertieft den Wiederherstellungstest.
Netz und Strom als Teil der Architektur
Für Ceph sind Bandbreite und geringe Latenz wichtig; für einen neuen Cluster planen wir getrennte, redundant angebundene 25-Gbit-Pfade als prüfbare Ausgangsannahme. Die tatsächlich nötige Rate folgt aus Schreiblast, Replikationsverkehr und der Zielzeit für Recovery, nicht aus der Portzahl auf dem Datenblatt. Corosync soll über unabhängige physische Wege laufen; Management und VM-Verkehr werden sauber getrennt oder begrenzt. Die konkrete VLAN-, Switch- und NIC-Zuordnung muss als Portplan dokumentiert werden.
Zwei Netzteile im Server helfen nur, wenn sie an getrennten Strompfaden hängen. DAXS würde je Host Netzteil A an PDU/USV A und Netzteil B an PDU/USV B anschließen lassen, die Leistungsaufnahme unter Last prüfen und den Ausfall eines Pfads testen. iLO-Management, Ersatz-SSDs, Firmwarepflege und Wartungsfenster sind weitere Betriebsposten. Drei Server im selben Rack schützen nicht vor einem Ausfall des gesamten Raums.
Offene Drei- und Fünfjahresrechnung
Ein aktuell bestätigtes HPE-Angebot für den vollständig bestückten Knoten sei h Euro, das redundante Netz samt Optiken n, ein eigenständiger Backup-Server samt Medien k. HPE-Service und Ersatzteile kosten im Modell s Euro jährlich, Strom/Housing e Euro jährlich. Diese Angebotswerte werden nicht erfunden. Die veröffentlichten Proxmox-Listenwerte betragen 550 € jährlich je belegtem VE-Sockel und 2.240 € für einen PBS-Standard-Server: hier 3 × 550 + 2.240 = 3.890 € pro Jahr. Einmalig werden hypothetisch 80 Stunden zu 90 € (7.200 €) für Aufbau, Tests und Übergabe angenommen; jährlich 50 Stunden zu 90 € (4.500 €) für den Betrieb.
| Position | 3 Jahre | 5 Jahre |
|---|---|---|
| Knoten, Netz, Backup-Hardware | 3h + n + k | 3h + n + k |
| Aufbau einmalig | 7.200 € | 7.200 € |
| VE/PBS + Betrieb pro Jahr | 3 × (3.890 + 4.500 + s + e) | 5 × (3.890 + 4.500 + s + e) |
| Gesamt | 3h + n + k + 32.370 + 3s + 3e € | 3h + n + k + 49.150 + 5s + 5e € |
Die Sensitivität ist direkt ablesbar: 1.000 € mehr je Knoten erhöhen beide Horizonte um 3.000 €; 1.000 € mehr jährlicher HPE-Service um 3.000 beziehungsweise 5.000 €. Braucht jeder Host eine zweite belegte CPU, kommen bei gleicher Proxmox-Standard-Stufe allein 1.650 € Subskription pro Jahr hinzu, zuzüglich Hardware, RAM und Energie. Die Rechnung enthält keine VMware-Ablösekosten, keinen zweiten Backup-Standort und keine Preissteigerung; diese Posten sind bei der konkreten Entscheidung zu ergänzen.
DAXS prüft zuerst Lastspitzen und Ausfallziele, dann die freigegebene HPE-Stückliste, den Port-/Stromplan, Ceph- und Backup-Restore sowie die vollständigen Angebote. Wer eine solche Clusterplanung für seine Umgebung braucht, kann sie über Kontakt anstoßen.
Quellen: HPE ProLiant DL360 Gen11 QuickSpecs · Proxmox VE Administration Guide: Cluster, HA und Ceph · Ceph: Kopienzahl und min_size · Proxmox VE: Subskriptionspreise · Proxmox Backup Server: Preise.
